Kaffee und Zuckerrohr…………… produtos da terra brasileira

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Im November 2012 war wieder mal ein Besuch in Minas Gerais bzw. Ouro Preto fällig, diesmal verbunden mit einer anschließenden Tour zu einer der vielen alten Kaffee-Fazendas, die es in den Staaten Minas Gerais, São Paulo und Rio de Janeiro gibt! (Irgendwann muss ich auch noch einen Bericht über Ouro Preto schreiben, als Abschied, die Stadt die ich sehr liebe und die ja auch mal meine Heimat war….)

Man hat so viel von den Fazendas und deren glorioser Vergangenheit gehört, da will ich sehen, was davon übrig geblieben ist! Im Internet haben wir uns eine ausgesucht, die Fazenda da Cachoeira in der Nähe der Stadt Santo Antonio do Amparo / MG. Anschließend wollen wir dann über São Paulo zurück nach Hause fahren.

Kaffee war zunächst nur in Afrika und Arabien verbreitet, aber man kam bald auf die Idee, ihn in anderen geeigneten Regionen zu kultivieren. Die erste Anpflanzung außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch van Hoorn, der als Gouverneur von Niederländisch-Indien 1690 in Ceylon und 1696 (oder 1699) auf Java erste Versuche anstellen ließ. Die dort verwendeten Pflanzen stammten aus Arabien. Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert, zum Beispiel in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeestrauch auf europäischem Boden gezogen wurde.

1718 brachten die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, und durch die Portugiesen gelangten 1727 die ersten Kaffeepflanzen nach Brasilien, wo wie überall in der lateinamerikanischen Plantagen-wirtschaft afrikanische Sklaven arbeiten mussten, bis zur allmählichen Abschaffung der Sklaverei und des Sklaven-handels. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Kaffee zu den am weitesten verbreiteten Kulturpflanzen in den Tropen. Dies ist auch auf die Ausbreitung der europäischen Kolonien zurückzuführen, ohne die die heutige weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist.

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Kaffee-Sträucher benötigen ein ausgeglichenes Klima ohne Temperaturextreme, ohne zu viel Sonnenschein und Hitze. Die Durchschnittstemperaturen sollen zwischen 18 und 25 °C liegen, die Temperatur soll 30 °C nicht überschreiten und darf 13 °C nicht häufig unterschreiten, die Pflanzen vertragen keine Temperatur unter 0 °C. Der Wasserbedarf beträgt 250 bis 300 Millimeter je Jahr, weshalb die jährliche Niederschlagsmenge 1500 bis 2000 Millimeter betragen muss, bei unter 1000 Millimeter im Jahr wird bewässert, bei unter 800 Millimeter im Jahr wird Kaffee nicht angebaut. Robusta-Kaffee benötigt höhere Niederschlagsmengen als Arabica-Kaffee. Viel Wind und Sonnenschein schaden, wogegen Hecken und Schattenbäume angepflanzt werden. Der Boden muss tiefgründig, locker und durchlässig (gut „durchlüftet“), oben humos sowie neutral bis leicht sauer sein.

In der Fazenda hing diese „Klassifikationshilfe „für Kaffee:

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Die Anbaugebiete liegen entsprechend den Ansprüchen zwischen den Wendekreisen, bei Arabica-Kaffee in Höhen von etwa 600 bis 1200 Meter ü. NN., bei Robusta-Kaffee zwischen 300 und 800 Meter ü. NN. Hochlandkaffees (Arabica) haben eine besonders hohe Qualität.  Die Samen (Kaffeebohnen) haben 8 Wochen nach der Fruchtreife die höchste Keimfähigkeit, sie nimmt danach ab. Sie werden vom Pergamenthäutchen befreit und in Keimbetten ausgesät. Die zwei ersten Blätter des Keimlings erscheinen nach 5 bis 6 Wochen. Dann werden die Jungpflänzchen in Behälter umgepflanzt und in Pflanzschulbeeten weiter kultiviert. Im Alter von acht Monaten werden sie in die Plantage gepflanzt, je nach Sorte in Abständen von ein bis vier Meter. Sie werden beim weiteren Wachstum in der Höhe beschnitten, je nach Bedarf auf 1,5 bis 3 Meter. Im Alter von drei bis fünf Jahren ist der Ertrag optimal und bleibt 10 bis 20 Jahre maximal, danach sinkt er. (Wikipedia)

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Soviel zur Geschichte der Kaffeebohne, wir machen uns also am 26.11.2012 von Ouro Preto aus auf, mit einem Abstecher nach Congonhas, wo ich zuletzt in 1974 gewesen bin! Die Stadt ist größer geworden, aber sonst bagunça wie gehabt, wir sind sowieso nur an „Aleijadinho“ interessiert, dem „Krüppelchen“ und berühmtesten Barockbildhauer Brasiliens, geboren 1730 oder 1738 in Ouro Preto als Antonio Francisco Lisboa, Sohn eines Portugiesen und einer Sklavin. Er hat die schönsten Skulpturen geschaffen und sein Meisterwerk sind sicher die Zwölf Propheten an der Kirche Bom Jesus de Matosinhos in Congonhas, die er trotz seiner fortgeschrittenen (wahrscheinlich) Lepra zwischen 1800 und 1805 geschaffen hat! Von der Kirche aus geht es abwärts zu den kleinen Kapellen des Kreuzwegs, in denen ebenfalls Figuren von Aleijadinho bewundert werden können!

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Weiter Richtung Santo Antonio de Amparo, 175 km über eine gute Strasse, Interiorkaff, wir müssen zweimal fragen, bis einer uns den Weg zur Fazenda da Cachoeira  erklärt, zu erreichen über eine Erdstrasse.

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Das Haus ist ein Traum, Kolonialbarock, hohe Decken, die üblichen Minasfenster, riesige Türen, Holzböden, original bemalte Wände, antike Möbel, Oratorios, um das Haus riesige alte Bäume, u.a. blühende Flamboyants und ein Meer von blühenden Agapanthus und Bougainville!

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Man kann sich auf Anhieb vorstellen, welch ein Leben die Portugiesen hier geführt haben müssen und wie der Kaffee und die Sklavenarbeit sie immens reich gemacht haben!

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Wir sind die einzigen Gäste in dem großen Haus und haben alle Räume für uns. Nachmittags zeigt uns die Besitzerin, Miriam, die Fazenda. Ihrer Familie gehört das alles in der fünften Generation, und sie sieht nach wie vor sooo typisch portugiesisch aus!

Abends decken sie für uns in der gemütlichen großen Küche, eine enorme Auswahl an Gerichten, Suppe mit Maismehl, Angú, Reis, Bohnen, Kartoffeln mit Manjericão, Salat und Lasagne, Fazendaessen!

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Kaffee ist heute nicht mehr ihr Hauptstandbein, obwohl sie noch ein wenig organischen und anderen Kaffee anbauen, heute haben sie sich auf Pferde spezialisiert, und zwar auf die brasilianische Züchtung Mangalarga Marchador.

Der Mangalarga Marchador ist eine brasilianische Pferderasse, die auf die Rasse Altér Real der Coudelaria ‚ Landgestüt Altér Real zurückgeht, welche ihrerseits auf der Flucht des portugiesischen Königshofes vor Napoléon (November 1807 – Januar 1808) nach Brasilien kamen. Diese wurden dann mit Berberpferden und, überwiegend von der iberischen Halbinsel stammenden, Arbeitspferderassen, die schon zur Kolonialzeit nach Brasilien gekommen waren, gekreuzt. Eine hübsche zähe Rasse, ich mag vor allem die gescheckten, obwohl sie mir generell zu klein sind (Stockmaß zwischen 1,45 und 1,55 m), ich liebe eher die „teutonischen großen Gäule“!

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Morgens erkunden wir nach ausgiebigem Frühstück die Umgebung, wandern zu einem Wasserfall, mit „botanischen Betrachtungen“, ich interessiere mich immer für alles, was grünt, kreucht und fleucht! Außerdem gibt es unter unseren Zimmern eine Art nach außen offenen dämmrigen Keller, in dem hunderte Fledermäuse hängen, die wir mit unserer Neugier aufscheuchen.

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Mittagessen wieder in der Küche, köstliches Minasessen, Arroz, schwarze Feijão, Huhn mit Orapronobis, einem wie Quiabo leicht klebrigen „Gemüseunkraut“, das auch im mato wächst, Linguiça, die geliebten Churrasco-Würstchen, Salat, eine gute Caipirinha und natürlich…….Kaffee!

Nach dem Essen verabschieden wir uns von Miriam und dem netten Personal, mit einer Empfehlung in der Tasche für eine Schnapsbrennerei in der Nähe! Als Anhänger einer köstlichen Caipirinha bzw. einer guten Cachaça kann man sich ja auch mal die Herstellung anschauen!

Die Destille heisst João Mendes und liegt in 18 km Entfernung von der Fazenda fast an der Hauptstrasse, inmitten kleinerer Zuckerrohrfelder, sie haben bei weitem nicht die Ausmaße wie in Pernambuco.

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Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) und wird dort der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet. Ihr Ursprung liegt in Ostasien, heute wird sie aber in allen klimatisch geeigneten Regionen angebaut. Die Pflanze ist der wichtigste Rohstofflieferant für die Herstellung von Haushaltszucker (Saccharose) und in wachsendem Maße auch für die Herstellung von Bioethanol.

Nach der Einfuhr der ersten Zuckerrohrschösslinge durch Columbus entwickelte sich die Karibik seit dem 16. Jahrhundert zur Hauptanbauregion für Zuckerrohr und Rohrzucker zum Hauptaußenhandelsprodukt der europäischen Karibik-Kolonien. Der Anbau von Zuckerrohr setzte ebenfalls eine enorme Nachfrage nach Sklaven in Gang.

Zuckerrohr wächst in subtropischen und tropischen Klimata. Um ordentlich gedeihen zu können, braucht das anspruchslose Zuckerrohr Temperaturen zwischen 25 und 30° – ist es kälter, verlangsamt sich das Wachstum, unter 15°C wächst die Pflanze nicht mehr. Der Wasserbedarf der Pflanze ist sehr hoch – es darf aber nicht stehen, da sonst die Pflanze fault. (Wikipedia)

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Netterweise können wir uns in aller Ruhe den kleinen Betrieb von João Mendes anschauen, vom Auspressen des Rohrs bis zum Endprodukt.

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Das Zuckerrohr wird ausgepresst und sieht dann aus wie Putzwasser, nicht sehr appetitlich, dann wird es vergoren und destilliert – und schließlich kommt die köstliche klare „Pinga“ aus der Destille………in den Eimer……

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……..in die Flasche oder in das Fass!

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Und in den Verkauf!

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Und mit dem bagaço, mit den ausgequetschten Pflanzenresten, wird die Destille befeuert! Und so schließt sich der Kreislauf! Natürlich nehmen wir uns noch eine Kostprobe mit und denken, völlig nüchtern, doch an den marchinha de carnaval: Cachaça ist kein Wasser!

Cachaça Não É Água

Marchinhas de Carnaval

Você pensa que cachaça é água?
Cachaça não é água não.
Cachaça vem do alambique
E água vem do ribeirão.

Pode me faltar tudo na vida:
Arroz, feijão e pão.
Pode me faltar manteiga
E tudo mais não faz falta não.

Pode me faltar o amor
(Disto até acho graça).
Só não quero que me falte
A danada da cachaça.

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2 Responses to “Kaffee und Zuckerrohr…………… produtos da terra brasileira”


  1. 1 Ute 1. März 2013 um 2:38 pm

    Ach, Hanni, wie schön, wieder weitere Seiten in Deinem blog aufschlagen zu können! Die Erinnerung darf wieder spazieren gehen, unterstützt durch die tollen Fotos und lebendigen Berichte!


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