Serra Verde Express, von Curitiba nach Morretes

Schon immer war mir die Fortbewegung auf der Erde lieber als in der Luft, und Zugfahren finde ich sehr entspannend, besonders wenn es durch so eine faszinierende Landschaft wie die Mata Atlantica, den brasilianischen Küstenurwald, geht!

Am 26. Februar 2012 sind wir also nach Curitiba gefahren, haben dort ein bisschen Sightseeing gemacht, uns und das Auto dort in ein bahnhofsnahes Hotel (mehr schlecht als recht) einquartiert und sind am 27.2. dann zur großen Fahrt aufgebrochen, beginnend mit schnellem Frühstück und Fussmarsch zum Bahnhof.

Dort warteten schon Touristen aus aller Herren Länder, anscheinend ist die Strecke ein Renner. Und es gibt ja viele „train spotter“ auf der Welt, siehe David! Deutsche natürlich wieder stark verteten, fuhren aber selbstverständlich in den teureren Klassen, wir begnügten uns mit dem „turistico“ für 74 Reais!

Ein italienischer Scherzkeks:

http://www.curitiba-parana.de/?Zug_Curitiba_Paranagua

Daneben gibt es noch die classe economica für 57 Rs., die classe executiva für 107 und die camarotes ab 332 Rs. (4 Pers.), aber uns genügte die Touristenklasse mit Führer, einem Getränk und einem Snack inklusive! Die Sicht ist für alle gleich!!!

Um 8.15 h Abfahrt ab Rodoferroviária, man musste eine halbe Stunde vorher dort sein und der Zug fuhr auch – für brasilianische Verhältnisse – ungewöhnlich pünktlich ab. Zuerst meilenweit durch Curitibas Vororte, nicht immer ein schöner Ausblick auf die bagunça aber eben normal…………

Unser Führer war Jefferson KERN, deutsche Vorfahren, kein deutsch außer vielleicht <guten Tag>, aber netter junger Kerl. Machte uns mit der Geschichte der Bahn vertraut, die recht abenteuerlich ist!

Die 150 km lange Strecke ist eine Herausforderung für die Ingenieure gewesen, ein Höhenunterscheid bis zum Meer von 950 Metern, z.T Gefälle bis zu 3,3 %,  13 Tunnels, 67 Brücken und Viadukte, das Ganze 1885 fertig gestellt,  innerhalb von fünf Jahren gebaut, erst durch eine französisch-belgische Gesellschaft, als die aufgaben dann von den Brasilianern selbst.

Wenn man die Ausblicke aus schwindelnder Höhe sieht kann man sich vorstellen, wie schwierig der Bau war! Und das Eingangsfoto sagt mehr als Worte!

Der Zug zuckelt die meiste Zeit recht beschaulich durch die Landschaft, wunderschöne blühende Bäume, Ipê, lila-rosa-weisse Manacá da Serra, eine weisse Irisart, Palmen und Unmengen Baumfarne in imposanten Größen. Nebelschwaden in den Bergen, Wasserfälle, und wenn man auf die gefahrene Strecke zurückblickt bekommt man manchmal weiche Knie, wenn man sieht, wie die Schienen am Berg kleben!

Gegen 11.15 h laufen wir im Kolonialstädtchen MORRETES ein, einem kleinen Kaff, an einem Fluss gelegen und mit einigen Relikten aus der Bauzeit der Bahn! Und sehr viel wärmeren Temperaturen!

Zurück nach Curitiba kann man mit dem Bus fahren, leider war keine Zeit für die alte Strasse, Estrada da Graciosa,  die sehr schön sein muss, so waren wir in anderthalb Stunden über die Autobahn wieder in der Großstadt und konnten noch „die Kurve kratzen“ und zu zivilen Zeiten zu Hause sein. Die Autobahn BR 101 bei Nacht ist nicht gerade ein Zuckerschlecken, Kamikaze -LKWs, Autos und Motorräder ohne Licht, Esels- und Pferdekarren auf dem Randstreifen, „sparsame“ Markierungen!

Ein schöner Ausflug, besonders für Zugfanatiker. Mit mehr Zeit hätte man noch die Ilha do Mel und die Küstenstädte sehen können…….more luck next time!

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