PANTANAL …….. einzigartiges Naturparadies!

Das PANTANAL …. von pantano = Sumpf, ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete, inzwischen Naturschutzgebiet und seit 2000 auch UNESCO Weltkulturerbe! Es liegt mitten in Brasilien in den Staaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul, durchflossen vom Rio Paraguay und vielen anderen Flüssen…und ist so gross wie die ehemalige Bundesrepublik Deutschland! Nur um mal eine Größe zu nennen, die einem die Sprache verschlägt

„In diesem einzigartigen Naturparadies gibt es mit geschätzten 665 Arten von Vögeln mehr als im gesamten  Europa , und Ornithologen  bezweifeln, dass schon alle entdeckt werden konnten. Das Pantanal hat das größte Vorkommen von Hyazinth-Aras in Brasilien und es ist ein sehr wichtiges Rückzugsgebiet für den vom Aussterben bedrohten Riesenotter geworden. Unter den etwa 123 Säugetierarten befinden sich die Raubtiere Jaguar, Puma und Ozelot, und ihre Beutetiere wie Sumpfhirsche, Pekaris und Capybaras, die größten Nagetiere der Welt, die bis zu 70 Kilogramm schwer werden. Weiterhin gibt es mindestens 2000 Pflanzenarten, 269 Fischarten, unzählige Reptilien und Amphibien sowie eine Vielzahl von Insekten.Der Vogel Jabiru, der Riesenstorch, ist das Symbol des Pantanals, Kaimane bevölkern mit 35 Millionen Exemplaren dieses Gebiet“. (Wikipedia)

DAS ist jedenfalls unser Ziel von Iguaçú aus, 822 km liegen vor uns. Wir wollen nach Aquidauana, einer kleinen Stadt am Rande des Pantanal, von dort aus sind es nochmal 110 km ERDSTRASSE bis zur Fazenda BARRA MANSA

http://www.hotelbarramansa.com.br/home.html

wo wir ein paar Tage verbingen wollen. Mangels einer Strassenadresse ist dies die Adresse:

S 19° 35′ 17,25 “ und  W 56° 5′ 16,98 “ ………….  alles klar?

Übernachtung in Campo Grande, der Hauptstadt von Mato Grosso do Sul, eine dieser relativ gesichtslosen brasilianischen Großstädte. Landschaft wie um Brasilia, Cerrado, dann Tafelberge wie in der Chapada Diamantina bei  Lençois, ist aber die Serra de Maracajú. Dann Anastácio und über die Brücke rüber liegt „schon“ Aquidauana! Ganz hübsches Interiorstädtchen, alte Häuser wie in São Francisco do Sul, und es gibt sogar einen Bahnhof, unterwegs sind wir mal dem <Trem do Pantanal> begegnet, dem Zug, der auch als Touristenattraktion von Campo Grande nach Corumbá fahren sollte, ob es aber inzwischen soweit ist weiss der Himmel.

Vor dem Hotel „Portal Pantaneiro“, wo wir eigentlich die Nacht hatten verbringen wollen, es aber nicht so weit geschafft haben, warten wir auf den Guide, der vor uns herfahren soll. Senhor Preto ist auch ziemlich preto und brettert mit seinem Geländemotorrad vor uns her. Nachdem er uns auf guter Erdstrasse aus Aquidauana raus geführt hat hält er und erklärt uns, dass wir jetzt vorfahren müssen um das Tempo anzugeben. In 70 km Entfernung will er dann wieder vorne weg fahren und die ganzen Weidetore öffnen. Ich weiss zwar nicht, warum er hinter uns in der Staubfahne fahren will, aber tudo bem!

Weiter geht’s über ein paar abenteuerliche Holzbrücken, aber davor stehen Schilder mit der Angabe <15 t>, also, wenn da die Lastwagen drüber fahren, wird es unseren Landrover auch aushalten.

Die 70 km bringen wir relativ schnell hinter uns und meinen schon, wir hätten uns die 110 Reais für Sr. Preto auch sparen können, aber dann geht es los, ein Weidetor nach dem anderen, im Ganzen etwa 50 auf den nächsten 30 km, die er auf und wieder zu machen muss, und nur ER weiss, welches von den vielen, die wir vorfinden, dem Himmel sei Dank, dass wir ihn geheuert haben…

Außerdem geht es jetzt richtig los, die Strasse ist jetzt nur noch ausgefahrene Sandpiste und ohne 4×4 wären wir längst am Ende, kein Wunder, dass man während der Regenzeit nur noch per Flieger zur Fazenda kommt. Für die 30 km brauchen wir fast 3 Stunden, kommen aber dann heil an der Fazenda an, wo wir von den Besitzern, Guilherme und Daniel Rondon (weitläufig verwandt mit dem Marechal!) empfangen werden.

Wir haben einen ganzen <Bungalow> für uns, zwei Zimmer, großen Wohnraum, Bad und einen Schattenplatz für den Landrover unter dem Zitronenbaum! Alle Fenster mit Fliegengitter, ich nehme an, während der Regenzeit wird man hier gefressen!? Erfreulicherweise haben wir STROM hier, ich hatte nicht damit gerechnet! Noch besser aber: hier geht KEIN HANDY und kein Laptop. Außer uns noch drei andere Ehepaare und eine ganz nette Reisejournalistin, Diana Henderson  („Journey Latin America“) aus Schottland, allesamt eingeflogen, eines aus USA, eines aus England und eines aus Japan, letzteres (und die Amerikaner) sprechen kein Wort auswärts! Wir natürlich wieder………

Sie haben mit dem Mittagessen auf uns gewartet, Keule vom Wildschwein, Arroz, Feijão, Maniok, Farofa, Salat. Tödlich scharfe Chilisauce. Der Nachtisch ist brasilianisch, Reispudding und gräßliche Rapadura, klebrige Würfel aus Rohrzucker, aber wir brauchen eh nichts Süßes!

Nach einer kurzen Ruhezeit geht es gleich los, gegen Abend fahren wir mit Senhor Bonifácio, freundlich, unschätzbares Alter, per Boot den Rio Negro hinauf. Unzählige Vogelarten. Wasserschweine, sooo niedlich, auch mit Jungen. Massenhaft Krokodile, also genauer Kaimane, überall liegen sie träge und bewegungslos herum. Von manchen sieht man nur die Augen über Wasser, wie Periskope, witzig. Unverhoffter Glücksfall: ein Otter. Und dieser stille Fluss, keine Häuser, keine Autos, keine Menschen außer uns, Sonnenuntergang…..joia pura.

Abends duschen unter einem Rinnsal. Der übliche brasilianische  „chuveiro“, Durchlauferhitzerdusche mit leichten elektrischen Schlägen. Abendessen und ins Bett, um 6 Uhr ist die Nacht um. Der Luxus: Aircondition!!! Es ist unglaublich warm und schwül, DAS ist hier Winter? Also ich möchte im Sommer NICHT hier leben!

Nachts absolute Stille, morgens ein Heidenspektakel in den umliegenden Bäumen von allen möglichen Vögeln. Da braucht man keinen Wecker!

Morgens mit dem Auto und João los. Pickup mit Sitzen auf der Ladefläche: Wasserschweine, ein WOLF! (lobinho), Flamingoarten, Reiher, Eulen, und zu unserem Entzücken ARAS, blaue Hyazinth, blaugelbe und sogar rote! Einen erwischen wir in der Bruthöhle, wie passen sie nur da rein?

Nasenbären, aber nicht die bettelnden frechen Zivilisationsbären von Igauçú, sondern wilde, eine ganze Horde. Wildschweine. Und Vögel über Vögel, ich kann mir die Namen gar nicht alle merken, die unser Guide herunter betet. Und Bäume mit lila Blüten oder mit riesigen Fruchtständen: Jatobá und Timbó. Jatoba ist essbar, innen ein mehliger Kern, süßlich, aber man kriegt eine Staublunge…, Ingá, wie dicke Bohnen, innen grüne Kerne wie Bohnen,

aber essbar ist nur das Fruchtfleisch, Cajú (Cashew), schon verblüht, mit Fruchtansätzen. Gegen Mittag zurück, es wird einfach zu heiss. Das denkt sicher auch das Capivara (Wasserschwein), das hinter dem Haus im Tümpel badet.

Abends – keine Müdigkeit vorschützen – auf’s PFERD! Und mit Senhor Bonifácio vorneweg ins Gelände. Wir werden erst mal unterrichtet, dass die Pferde hier am lockeren Zügel gehen und nur am Zügel auf der jeweiligen Halsseite erkennen, wohin sie gehen sollen. Seltsam, aber es funktioniert. Zu meiner Freude sind die Zossen gepflegt und die Hufe in Ordnung, geht doch!!!! Was sie allerdings an rostigem Alteisen im Maul haben untersuche ich lieber nicht so genau, es treibt mir den Schweiß auf die Stirn! Und im Zaumzeug findet sich auch mal eine „Überbrückung“ mit Draht oder Schnur…naja….

Unser <guia> vorneweg mit dem facão, der Machete, im Bund, aber die haben hier ALLE im Gürtel stecken.

Gemütlich zockeln wir durch die Gegend, die Pferde sind klein und haben einen kurzen Tritt, aber man gewöhnt sich dran. Übrigens ist rechts die eingezäunte Wiese die Landebahn für die kleinen Einmotorigen….(ohne mich)!

Mit dem Pferd hat man ganz andere Möglichkeiten, weil man leise ist und kein Motor brummt. Allerdings hätte es diesen Kameraden sicher nicht gestört:

Dafür kommen wir aber näher an die NIEDLICHEN ran:

Abends wieder mit den Hühnern ins Bett und früh raus, wie die Biester, die wir sehen möchten, leider auch!

Das Highlight des Tages ist heute, bei der Bootsfahrt, der Blick auf die Riesenotter, die wir anscheinend gestört haben, denn sie tauchen um uns herum auf, heben sich weit aus dem Wasser und fauchen wie die Katzen. Wunderschöne elegante Tiere, aber schon gefährdet. Hoffentlich erholen sich die Bestände wenigstens hier im Pantanal, wo sie niemand jagt!

Aber auch die Krokodile sind für uns sehenswert, wie sie da bewegungslos rumliegen, manche wegen der Hitze mit aufgesperrtem Maul, oder wie sie uns mit ihren gelben Augen, die über die Wasseroberfläche schauen, betrachten. Im ganzen Pantanal soll es 35 Millionen geben. Eine Million davon haben wir sicher gesehen… 😉

Ich finde sie äußerst faszinierend, während sie für die Leute, die hier wohnen, so <aufregend> sind wie für uns  Hauskatzen … die Jungs konnten meine Begeisterung gar nicht recht verstehen … sind doch nur <jacarés>. João hat mir übrigens ein paar Krokodilzähne geschenkt … Respekt, wenn die einen erwischen…..

Eine Nachtfahrt mit dem Auto war toll, wo uns João kleine Krokodilbabies zeigte, oder wie die Augen der Krokodile im Lampenschein leuchten. Leider ist ihnen das immer wieder zum Verhängnis geworden und sie endeten als Handtasche.

Auch die Wasserschweine, die größten Nagetiere der Welt, sind für sie nichts so besonderes, ich finde sie niedlich, trotz der mindestens 70 kg, die die „kleinen Nager“ auf die Waage bringen. Vor allem, wenn sie ihre Babies dabei haben und so fürsorglich sind!

Sie sehen so witzig aus, haarig und mit dem Hubbel auf der Nase und diesen grossen „Hasenzähnen“ … sicher stinken sie von Nahem wie die Pest …???

Abends gibt es die Fische, die die Amerikaner tagsüber gefangen haben, DAS ist Frischfisch! Zwei leckere Süßwasserdouraden. Und anschließend Caipirinha mit den köstlichen wilden Limonen, <limão caipira> oder <galego>, die reichlich hinter unserer Behausung wachsen. Und alle runterfallen wie bei uns in Deutschland das Fallobst!

Ich könnte noch stundenlang berichten und ein paar hundert Fotos zeigen, unfassbar, was wir alles in vier Tagen gesehen haben. Beeindruckend! Hoffentlich erhalten sich die Brasilianer diesen Schatz! Ich befürchte das Schlimmste!

Auf dem Rückweg nach Aquidauana, nach freundschaftlichem Abschied von Guilherme Rondon und den „Jungs“, haben wir noch das weniger lustige Abenteuer „wir graben jetzt das Auto mit Palmwedeln aus dem Sand“ erlebt, aber auch noch viele Tiere gesehen:

einen Brüllaffen, der vor uns über den Weg lief, Straußenvögel (Emas), Rehe, Adler, einen Sumpf voller Reiher, Nasenbärenherden, wilde Schweine (queixada), Tucane und Aras, und nicht zu vergessen Millionen von weissen sanften Zeburindern auf den Fazendaweiden. Und die sollen hier auch mal verewigt werden:

Schließlich sind sie der Reichtum der hiesigen Fazendeiros und schmecken dazu vorzüglich…solange ich sie nicht um die Ecke bringen muss. Dann wäre ich sowieso Vegetarier!

Resumée: wunderschöne Tage. Und die Hoffnung, dass dieses Paradies erhalten bleibt. Ich möchte NICHT eines Tages sagen müssen: ich habe es noch gesehen, bevor es verschwunden ist!

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2 Responses to “PANTANAL …….. einzigartiges Naturparadies!”


  1. 1 Dr. Peter Krause 11. November 2011 um 8:21 am

    Man könnte meinen, man sei dabei gewesen. Glückwunsch! Ein typischer Hanni-Bericht.

  2. 2 Erika Graßmann 20. November 2011 um 5:11 am

    Meine Begeisterung für Brasilien nimmt immer mehr zu. Martin Stöppler hat mir schon so viel erzählt, aber jetzt gehe ich die Sache doch selbst an.
    Ich denke, im nächsten Jahr wird es soweit sein und vielleicht lerne ich ja auch mal die Schreiberin kennen. Würde mich sehr freuen.
    Bin schon auf den nächsten Bericht gespannt.


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