Vale dos Vinhedos – Wein und Italienisches in Südbrasilien!

Ein langer Aufenthalt in Deutschland ist mir dazwischen gekommen, und jetzt gibt es einen Stau, weil noch zwei Reisen zu beschreiben sind, deshalb wird die Reise in die Weingegend von Rio Grande do Sul wohl etwas kurz ausfallen, aber ich nehme an immer noch lang genug, um die Leser entscheiden zu lassen, ob sich die Wiederholung lohnt!?

Wir sind also nach der Reise zu den Missões  Richtung BENTO GONÇALVES gefahren, einer Stadt in Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens, ca. 110 km von Porto Alegre entfernt, benannt nach einem Führer der Farroupilha Revolution, Bento Gonçalves da Silva, der Einfachheit halber ein Link zur Geschichte Brasiliens:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Brasiliens#Aufst.C3.A4nde_im_Norden_und_S.C3.BCden:_Garibaldi_in_Brasilien

Ganz in der Nähe liegt das kleine Weinbaugebiet VALE DOS VINHEDOS, gegründet von norditalienischen Einwanderern  im 19. Jh. und inzwischen auch von der EU als zertifiziertes Weinbaugebiet anerkannt! Zu den vorwiegend angebauten Rebsorten zählen Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und auch Weißweine wie Riesling, Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Pinot Grigio.

Man erwartet eigentlich gar nicht, was einen dann entzückt: es sieht ein bisschen aus wie in Italien und ist, wie die deutschen „Nester“ in Santa Catarina, ein Stück „kopierte“ italienische Heimat für die Auswanderer! Und ein bisschen wie Heimat sieht auch die Landschaft aus:

Wir fahren verschiedene Weingüter an und probieren natürlich … und es schmeckt uns auch. Meistens. In der Aufmachung sind die Vinhedos den europäischen nachempfunden, das gilt besonders für die Grossen wie VALDUGA mit aufwendigem Park und Innenräumen

und MIOLO!

Aber auch kleine versuchen, den Brasilianer vom Weintrinken zu überzeugen…bei uns ist bekanntermaßen keine Überzeugung mehr notwendig!

Zum Mittagessen finden wir ein kleines nettes Restaurant, NONNA METILDE – wie eine italienische Trattoria – in Monte Belo do Sul gegenüber der Prefeitura, Eingang durch ein altes Weinfass, und essen u.a. sehr leckere hausgemachte Pasta, etwas, das ich sonst nicht oft im südlichen Brasilien bekomme! Und als Vorspeise gibt es Salume und Käse wie in Italien, und Polenta frita, die ich liebe!  Und dann geht es lecker weiter: Suppe vom Huhn mit köstlichen Agnolotti und einer Art Leberknödel, Löwenzahnsalat und (überflüssig) „Maionnaise“, also Kartoffelsalat, Ravioli mit Kürbisfüllung (abobora morango) und Tomatensugo (Salbeibutter wäre besser gewesen, aber naja!), Tagliatelle quatro queijos, gebratenes Huhn und Schweinerippchen, Polenta und Rührei (hä?)…..und Nachtisch und Kaffee! Unglaublich! Dazu ein Chardonnay von Pizzato. Und das ganze Essen kostete mit allem 90 Reais für uns beide zusammen! Also DAS war empfehlenswert!

http://www.valedosvinhedos.com.br/vale/atracao.php?view=50

Solchermassen gefüllt halten wir trotzdem noch an der „Queijaria Valbrenta“ und kaufen noch einen leckeren REGGIANO.

Zweiter Halt bei km 17 an einem Antiquitätenladen. Hübsche Sachen, schöne Schränke aus Louro Gaucho (Lorbeer???), und ich traue meinen Augen nicht: salzglasierte Westerwälder Töpfe, von den deutschen Einwanderern, einer 5 l, einer 10 l, für sage und schreibe 450 bzw. 650 Reais! Ich glaube, ich schicke mal einen Container runter, in Deutschland bringen die gerade noch 5 Euro!? Ein weiteres Geschäft wären weisse Glaszylinder für alte Petroleumlampen, in Deutschland gibt es die schon neu, hier gar nicht!

Abends ins Restaurant CANTAMARIA in Bento Gonçalves, ganz originell à la italienisch und dazu ein leckeres „Klosterbräu“ (Cerveja Abade)!

Am nächsten Tag zurück zum VINHO!

Was mir gut gefällt:  auf einem der Weingüter – Cave de Pedra – hat man eine ganze Reihe von Rebsorten angepflanzt und gekennzeichnet, so dass man auch als Laie und <nur Geniesser> die verschiedenen Sorten vergleichen kann.

Und auch mit den Verkaufsräumen hat man sich echt Mühe um Authenzität gemacht!

Unser Brasilienführer gibt leider über diese Gegend nicht viel her, daher schlagen wir uns auf eigene Faust und per Wegweiser durch!

http://www.caminhosdepedra.org.br/?pg=historico

Der Hinweis auf „Caminhos de Pedra“   bringt uns auf eine ganz andere Route, eine Reise in die Vergangenheit – was die Bauweise der Einwanderer angeht. Sieben Gemeinden schlossen sich 1997 zu der Associação Caminhos de Pedra zusammen, um auch die architektonische Vergangenheit aufzuarbeiten. Das führte auch dazu, dass wieder mehr auf die Sprache, Folklore, Kunst und somit ursprüngliche Identität der Bewohner aufmerksam gemacht wurde!

Es gibt einen Rundweg mit 53 „pontos de visitação“  – sehr aufschlussreich, der zeigt, dass die Anfänge 1875 durchaus nicht luxuriös waren!

Zum Ende hin noch ein SEHR interessantes Haus: die Casa da Erva Mate Ferrari, wo gezeigt wird, wie Mate Tee hergestellt wird. Wir kennen ihn zwar vom Namen her, aber so richtig wussten wir nichts darüber! Mittels einer Führung wurden wir nun aufgeklärt.

Die Blätter wurden (heute sicher einfacher) in einer Art Holzofen getrocknet, dann mit dieser „Maschine“ klein gestampft

und zum Schluss hat man dann dieses Produkt, das die Gauchos – und auch unsere Catarinense –  literweise aus ihrem Chimarrão in sich hineinschütten und das – ehrlich gesagt – SCHEUSSLICH schmeckt!

Da bleibe ich doch lieber beim guten alten VINHO BRANCO…..

Voller angenehmer Eindrücke und Geschmäcker, wenn man vom Mate absieht, machen wir uns auf den Rückweg nach Santa Catarina, über eine Abkürzung, <estrada de terra> und Minimalbrücken durch die Berge.  Dort ist es immer am schönsten und das Auto verträgt es ja!

Resümee:  für Europäer, die das PIEMONTE vor der Nase haben, ist es sicher nicht sooooooo exotisch und sehenswert, aber für uns war es eine hübsche Reise – fast – nach bella Italia!!!!!!!!

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