Bahia und mehr…………7000 km Brasilien pur!

Die große Reise beginnt mit einem Vorspann:  Seit dem 23.10. bin ich in Ouro Preto / Minas Gerais und hüte das Haus von Freunden sowie drei mittlere Kälber bzw. Hunde, Lucy, Bodo und Balu. Wetter saumäßig, Nebel und Grau in Grau, da ist es in Santa Catarina doch angenehmer, aber Ouro Preto liebe ich trotzdem!

Am 7. November 2010 geht es dann los, Frühstück, Hunde knuddeln, Abfahrt gegen 7:40h! Gegen neun sind wir in Belo Horizonte und fahren Richtung Brasilia, die Strasse, die wir in den 80ern öfter gefahren sind und die sich doch total verändert hat. Aus den Lausekaffs am Straßenrand sind große Städte geworden! Paraopeba und João Pinheiro zum Beispiel.

Überall Verkauf von Jabuticaba – köstliche schwarze traubengroße Früchte mit weißem Fruchtfleisch, schmecken ein bisschen wie schwarze Johannisbeeren und wachsen witzigerweise direkt am Stamm

–  und Mangos. Mangobäume am Straßenrand, VOLL mit Früchten, fast reif, die kleine Sorte, wie immer sie heißt. Zweimal umgestürzte LKWs, beim zweiten sind alle Leute aus der Gegend  gerade intensiv mit der Plünderung beschäftigt – und die Polizei schaut zu und sorgt für geordneten Verkehr! Ein anderes <Highlight>: eine tote Kuh am Straßenrand und die Urubus, die Rabengeier, sitzen schon oben drauf und warten dass sie platzt! Brrrrrrr…

Riesige Holzkohlelaster, mit schwankenden Aufbauten und völlig überladen, Benzintankwagen und Autotransporter, 30 m lang, ein Nervenkitzel, sie zu überholen. Rechts und links massenhaft Fazendas mit wohlklingenden Namen wie: Fazenda Cafezeiro, Buriti alegre, Flor de Lis, Fazenda da Sombra, Haras Paraiso etc.

Auf den LKWs Sprüche wie:

„Deus é fiel.“
„Meu filho minha vida.”
“Nas mãos de Deus.”  („In Gottes Hand!“ Müssen die auch sein!!!!))
“Em baile de cobra sapo não entra!”

Und leider auch haufenweise totgefahrene Hunde auf der Straße!

14.00 h: noch 240 km in die Hauptstadt Brasilia, von insgesamt 820 km. Paracatú, inzwischen 85 000 Einwohner, früher nur ein Loch, noch 44 km bis zur Grenze Minas – Goias. Cerrado, grün, krüpplige Bäume, knallrote Termitenhügel. Represas (Stauseen), Flamboyants, laut Uhr mit Höhenmesser  sind wir schon 1000 m hoch, auf dem planalto!

Durch Cristalina, der Name sagt es, hier gibt es Klunker, Edelsteine. 16:20 h im Distrito Federal. Viel mehr Verkehr, die Hauptstadt naht. Satellitenstadt Luziania….riesige Ausdehnung…und das hässliche Monument an der Einfahrt in die Stadt gibt es immer noch…

Gegen 17:00 h im Hotel Royal Tulip Alvorada in Brasilia. Nach 800 km verdiente Caipi am Pool, hübsches extravagantes Hotel mit Blick auf den See!

Brasilia, Hauptstadt, in einem 5814 qkm großen Distrikt, dem Distrito Federal, gelegen, gegründet bzw. eingeweiht 1964, 2 Millionen Einwohner, gestaltet vom Stadtplaner Lúcio Costa und dem deutschstämmigen Architekten Oscar Niemeyer. Die Stadt, die angeblich aus dem Urwald gestampft wurde, dem Urwald, den es dort gar nicht gibt und nie gab. Der Stadtgrundriss sieht wie ein Flugzeug oder Vogel aus, und auf dem Rumpf befinden sich die architektonischen Monumente Niemeyers. Leider wurde die Stadt mehr mit Begeisterung als mit Verstand gebaut, so gibt es riesige Entfernungen, die die Menschen zurücklegen müssen und bis vor kurzem keine U-Bahn. Aber im Vergleich zu 1974, als hier kein Baum und kein Strauch stand, ist die Stadt heute sehr schön grün und zugewachsen, und es lebt sich gut in einem angenehmen Klima.

Am nächsten Morgen nach Paranoá, ehemals „der“ Slum von Brasilia, inzwischen eine große gammelige Vorstadt, Francisca suchen, unsere ehemalige empregada. Hatte ihr mal geschrieben, kam aber nichts. Aber die Adresse hatte ich noch, und wie erwartet war das schäbigste „Haus“ – bzw. eine Bruchbude – ihres!!! Ein paar Ziegelsteine übereinander getürmt, schief und krumm. Ich also geklopft an das Stück Blech, das als Haustür dient, es erscheint ein junger Mann, ich frage nach Francisca, er sagt, sie ist arbeiten, ich frage, ob er der Sohn ist, er ist es!!! Ich kenne ihn seit seiner Geburt und habe ihn als Baby mal mit Lungenentzündung ins Krankenhaus geschafft, sonst wäre er wohl nicht mehr unter uns, denn seine Mutter wusste leider nicht mal, was eine Lunge überhaupt ist! Was lungert der am hellichten Tag zu Hause rum, wenn seine Mutter malochen geht? Er gibt mir die Adresse ihrer Arbeitsstelle in der Nähe, wir finden es nach vielem Fragen und – da ich keine Klingel finde an einem relativ neuen Haus – klatsche ich laut in die Hände, wie man das halt so macht hier. Wer erscheint nach einiger Zeit? Francisca. Auch älter geworden, sie müsste 48 sein, immer noch mager und drahtig vom vielen Schaffen und wenig Essen, aber mit Zähnen….mit 18, als sie in mein Haus kam, hatte sie keine Frontzähne. Sie flippt bald aus, umarmt mich immer wieder. Wir bleiben nur kurz, machen ein paar Fotos, Ute und ich drücken ihr noch einen größeren Schein in die Hand, dann weiter. War doch sehr emotional. Armes Huhn.

Abends Treffen mit Freunden aus Brasilia in der Nähe des Hotels in einer Churrascaria, ein paar Caipis und viele Erinnerungen an eine schöne Zeit in den 80ern!

9.11.10

10:00 h los. Richtung Sobradinho, raus aus Brasilia, zum Abschied noch ein Fernblick zurück auf den Plano Piloto am Horizont. Abzweigung nach Alto Paraiso, Erdstraße bis zur BR 10. Rechts und links massenhaft Fazendas und Landwirtschaft im großen Stil, wahrscheinlich Soja.

Mittags in São João d’Aliança, Tor zum Nationalpark “Chapada dos Veadeiros” im Staat  Goias, unserem Ziel. Cerrado-Landschaft, hügelig. Weiter bis Alto Paraiso und dort um 13:00 h Mittagessen im einer kleinen Klitsche, Nativu’s, comida caseira por Kilo, lecker. Immer sehr zu empfehlen, diese Buffetrestaurants, man kann sich aussuchen was und wie viel man isst!

http://de.wikipedia.org/wiki/Chapada_dos_Veadeiros

Weiter nach São Jorge, zur – vorsichtshalber gebuchten – Unterkunft „Pousada Casa das Flores“. Total zugewucherte nette kleine Anlage mit Pool in der Mitte. Schnuckliger Hotelhund namens Lola, der sich freut, uns zu sehen und gekrabbelt zu werden, und Hotelkatze Bella mit siamesischen Vorfahren.

Kleiner Spaziergang durchs Dorf, tote Hose, aber total, keine Asphaltstrasse, keine Infrastruktur. Leichter Hippietouch und Ziel von brasilianischen Esotherikern! In den wenigen Lädchen verkaufen sie das Notwendigste, im <Supermarkt> total vergammeltes Gemüse. Alle möglichen anderen Pousadas, aber nichts Gescheites. AdW!

Im Hotel ein ständiges Gekreische von den niedlichen kleinen Papageien in den Bäumen, es gibt sogar einen Tucano. Eine gute Caipi mit lokaler Pinga zur Entspannung. 19:30 h Abendessen im Restaurant, bisschen finster, ich sehe eigentlich gerne was ich esse, aber nett gemacht. Esse die erste vernünftige Pizza in Brasilien mit Mozzarella und frischen Tomaten und Manjericão = richtigem Basilikum!!!!

Früh ins Bett, müde…wovon???

10.11.10

Morgens gegen acht merkwürdige Geräusche vor der Tür. Wir vermuten sie wechseln die Kerzen in den Laternen auf der Terrasse aus, Strom ist ja hier nicht unbedingt immer vorhanden, aber als wir nachsehen ist draußen auf der kleinen Terrasse der Frühstückstisch gedeckt. Mit frischem, warmem pão de queijo, Kaffee, warmer Milch, viel Obst, „Hühnerfutter“, Marmelade, Saft, die extra bestellten Spiegeleier werden ebenfalls gebracht. Und Hund Lola kommt uns auch begrüßen.

9:45 h los. Direkt zum Vale da Lua im Nationalpark. Erst über eine Erdstrasse, Fußmarsch ca. 600 m, dann stehen wir vor einer bizarren Steinwüste, sieht wirklich aus wie ein MONDTAL. Überall gluckert das Wasser, über- und unterirdisch, und hat in die Felsen runde Schalen eingegraben, wie in einem Sciencefiction-Film kommen wir uns vor! Das Wetter spielt mit, heiß und sonnig. Auch die Eidechsen sonnen sich auf den Steinen. Und in diesem trockenen Tal blühen die hübschesten Blumen, weil es nach der langen Trockenheit endlich mal geregnet hat. Ich sehe endlich einen TUCANO in der „freien Wildbahn“ fliegen. Später noch an die Almécegas – Wasserfälle. Die liegen in Bereich einer Pousada, mit Perlhühnern, Kühen, einem Pfau, der uns sein Gefieder zeigt und einem Gänserich, der wohl als „Wachgans“ dient. Beim Reinfahren macht er mordsmäßig Lärm und kreischt als wollten wir ihn schlachten. Bei beiden Einfahrten müssen wir pro Person 10 R$ bezahlen, “kleiner“ Nebenverdienst für die Fazendeiros!

Anschließend zurück nach Alto Paraíso, zum selben Restaurant, zur comida caseira. Als wir fast fertig sind fängt eine mordsmäßige chuva an, es pladdert donnernd auf das Blechdach und gewittert vom Himmel hoch. Gegen 16:00 h sind wir zurück in der pousada, erst mal Caipirinha, dann …..KEIN STROM mehr, auch kein Handyempfang, bis abends spät von der Welt abgeschnitten, Abendessen mit Candlelight. Wieder die köstliche Pizza, weil die als einziges Gericht wirklich supergut ist. Hundchen Lola ist immer bei uns. Internet Fehlanzeige, na dann nicht.

11.11.10

Elfter Elfter!!!! Ohne Karneval! Dafür mit morgendlichem Vogelgezwitscher und Papageiengekreische in den Bäumen.

Frühstück wie gehabt auf der Terrasse. Auch mit Hund. Diesmal bestellt Werner Schinken. Und da lässt sich Madame auch mal zum Schinkenfressen überreden. An Brot geht sie nicht dran! Sie ist sooo niedlich…

Abfahrt. Noch einmal durchs Dorf, was für eine gottverlassene Gegend. Trotzdem faszinierend. Von Alto Paraiso dann Richtung Teresina de Goiás (10:00 h, hübsch im Tal gelegen), Monte Alegre de Goiás, Campos Belos (11:20 h, tanken). 12:30 Aurora de Tocantins, eine Idylle. Große leuchtend rote Flamboyants! Noch ungefähr 500 km nach Barreiras. Wir fahren ein kleines Stück durch den Staat Tocantins und biegen hinter Taguatinga um 14:15 h in Richtung Bahia und BR-242 ab, nach Luis Eduardo Magalhães, ein großes Kaff und LKW-Knotenpunkt. Bis dahin ca. 50 km Erdstrasse von der schlimmen Sorte, wir  brechen uns fast den Hals. Was würden wir nur machen ohne unseren  Landrover?

Hinter Taguatinga große Tafelberge, Felsen à la Bryce Canyon/USA, nur nicht so rot. Dann aus den Bergen raus und alles wird flach und landwirtschaftlich genutzt. Riesige Felder bis an den Horizont und unzählige Fazenda-Einfahrten. 15.45 h wieder auf dem Asphalt und auf die BR-242 Richtung Salvador, schnurgerade Straße bis an den Horizont. Viele LKWs. Nach ca. 525 km kommen wir nach Barreiras, direkt am Ortseingang liegt das <Solar Hotel>, die Auswahl ist nicht groß und wir bleiben gleich dort, für eine Nacht…

Abends in die Stadt, typische brasilianische Interiorstadt, ziemlich schmutzig und unordentlich, aber eine Flaniermeile für die Jugend. Tagsüber fahren dort Autos, abends ist das der Präsentierteller und Heiratsmarkt. Abendessen in einer einfachen Churrascaria vom Hotel Principe. Stellen zufällig fest, dass hier die Uhren NICHT umgestellt wurden, Bahia hat keine Sommerzeit!

12.11.10

Morgens 8:45 h bzw. 9:45 h erst mal tanken und Abfahrt in Richtung Lençois, dem Ausgangsort für den Besuch des Nationalparks Chapada Diamantina., gegründet 1985, 1520 qkm groß. Seen, Flüsse, Tafelberge und Canyons, ein bisschen vergleichbar mit USA. Diamantenschürfgebiet…ehemals! Kleine Interiorkaffs wie Cristópolis, Straßendörfer mit haufenweise Borracharias für die vielen geplatzten Reifen, und Autowerkstätten mit großen Autofriedhöfen drumherum, man mag sich nicht ausmalen, wer in den schlimm aussehenden Karkassen alles tot geblieben ist.  Im mato breite ausladende sandige Hügel, erst denken wir an Termiten, aber ein Tankwart erzählt uns, dass es verwitterte dicke Wacker sind. Heissen „Murundú…???? Sieht witzig aus. Die Ebenen sind trocken und braun. Kakteen und dornige Büsche, vereinzelte resistente Kühe, ein witziger „Flaschenbaum“ mit ganz dickem bauchigem Stamm. Links ab nach Muquem 18 km, ansonsten keine Wegweiser, hier muss man sich wohl auskennen…

Gottverlassene Gegend, tote Kühe am Straßenrand, oben drauf sitzen die Geier. Wir wollen ein gutes Foto machen, bis plötzlich der Verwesungsgestank über uns herfällt und uns fast zum Kotzen bringt, es stinkt so unvorstellbar, ungeheuerlich. Schnell weiter und die Fenster weit auf zum Durchlüften…

In Ibotirama kommen wir endlich an den São Francisco, eine große Brücke führt über den schönen majestätischen „Velho Chico“. Weiter durch den Cerrado, ein kleines Lauskaff am anderen, für uns exotische Idylle, für die Leute eher Armut. Schwarze Schweine am Straßenrand, die üblichen borracherias und kleine lanchonetes, serrarias, aber kein Restaurant, es ist schon fast 14.00 h als wir dann in Seabra eine kleine Räuberhöhle finden mit Millionen Fliegen und hektischen Spatzen auf den Tischen. Es gibt auch nicht mehr viel, aber sie bringen noch ein bisschen Fleisch, Reis, schwarze Bohnen und Tomaten zustande.

Weiter – die letzten 50 km. Abfahrt nach Lençois. Zweispurige Straße „em obras“,  rechts und links dicht bewachsen.

In Lençois bleiben wir direkt in der „Pousada Canto das Aguas“ hängen. Teuer – aber zugegebenermaßen sehr schön, am Wasser gelegen, Blick auf das Örtchen auf der anderen Flussseite im Stile Ouro Pretos, sehr geschmackvolle Einrichtung, alles durchdacht und mit viel Liebe dekoriert.
www.lencois.com.br

Alles rustikal mit „moveis de demolição“ und Kunstobjekten und Vime-Sitzmöbeln und weißen Kissen und „luminarias de parafina com cipó“ , Laternen aus Wachs mit Weidenruten …und…und…! Restaurant auch mit Blick auf Lençois. Abends essen wir aus Bequemlichkeit dort, unerwartet lecker, Ravioli wie in Italien, zum ersten Mal in Brasilien vernünftige italienische Küche, Bahia scheint da mehr drauf zu haben als Santa Catarina.

13.11.2011

Am nächsten Morgen früh auf und ab. Fahrt Richtung Pai Inácio, 12oo m hoch, einer der Tafelberge der Chapadas, vorher noch in ein Orquidário am Strassenrand, ein netter, portugiesisch „singender“ Baiano führt uns. Wunderschöne Orchideen in allen Farben, kleine, grosse, unscheinbare und protzige. Der moço hat wirklich Ahnung und zeigt uns auch noch andere Pflanzen und auch Vögel in den Bäumen. ich mache viele, viele Fotos für meinen „Orchideensammelordner!!!

Anschließend weiter zum Pai Inácio. Noch nicht von Touristen überschwemmt. Wir müssen mit Guia (Führer) hoch, ich weiß nicht warum, entweder weil sie 1. Angst haben, dass wir abstürzen, 2. Geld verdienen oder 3. uns unter Kontrolle haben wollen.

Der Aufstieg ist mühsam, aber oben werden wir belohnt, wunderschöner Blick rundum. Wieder mit Erklärungen von Flora und Fauna. Unser guia ist so ein kleiner, rabenschwarzer, sonnenbebrillter Witzbold. Als es um den Abstieg geht und wir meinen, er habe danach ja wohl genug geschafft und sich den Feierabend verdient meint er: „para descansar carrego pedras“ (zur Erholung schleppe ich Steine).

Am nächsten Tag mit Führer (70 Rs. pro Tag) zur Gruta da Lapa Doce, einer riesigen Tropfsteinhöhle, und zur Gruta Azul. Zum Teil mühsamer Abstieg zum Eingang der Höhlen, aber wir geben uns keine Blöße.

15.11.10

Um 9.00 h Abfahrt von den Lençois, von unserem wunderschönen Hotel „Canto das Aguas“ . So ein geschmackvolles Hotel habe ich lange nicht gesehen, mit soviel Liebe zum Detail, natürlich von einer Frau dekoriert. Viele Tonfiguren, witzigerweise nur von Frauen, viel Holz und Naturprodukte, Pflanzen, der wunderschöne Garten mit dem Baum mit den kreischenden Webervögeln und den vielen Nestern dran, von denen ich selbstverständlich eines mitgenommen habe, es waren ja einige runtergefallen. Kunstwerke!

Die Strasse nach Salvador ist voll mit LKWs, wir hatten die Hoffnung, dass wegen des Feiertags nicht soviel los sein könnte, aber Pech gehabt! Von Tal zu Tal eine unterschiedliche Vegetation, einmal trocken und wüstig, einmal grün und fruchtbar….merkwürdig. Ziegelmacher sehen wir, und zwar keine Öfen, sondern Leute, die den roten Ton mit den Füßen stampfen und dann sonnengetrocknete Ziegel in Holzformen fabrizieren. DAS ist noch Handwerk, von wegen alles kaufen!!! Kleine Kinder, die direkt an der Strasse spielen…meine Nerven. Strassenverkehrsopfer: ein totes Pferd, eine total plattgefahrene Kuh, von der nur noch das Fell wie ausgebreitet da liegt, da haben die Geier schon „aufgeräumt“. Alles ländlich-sittlich, da wohnt auch mal das Schwein mit im Haus:

11:15 h Itaberaba, tanken. An der Tankstelle ein Laden mit Reitbedarf, hochinteressante qualitativ exzellente Sättel, eher Westernsättel als unser Typ, und eine moça, die uns in fünf Minuten ihr Leben erzählt, sie beklagt, dass man in dem Kaff nur zwei Möglichkeiten hat: Kinder kriegen und arm sein oder raus! Sie ist 26, das Kind hat sie schon, einen miserabel bezahlten Job: „nem um salário“, und Freundinnen, die in Europa arbeiten (!) und schon vom gesparten Geld ein Haus in Brasilien gebaut haben. Ehrlich gesagt denke ich mir da, warum musste sie sich gleich ein Kind anschaffen? Aber leid tat sie mir trotzdem, was hat sie dort noch für Chancen?

Abbiegung nach Iaçu, 30 km, dann die große Überraschung: 43 km Erdstrasse,  (obwohl eine Asphaltstraße auf der Karte eingezeichnet ist), aber von der bösen Art! Und das mit meinen Bandscheiben, ein Elend! Als das überstanden ist Mittagessen in Amargosa (größeres Kaff), im Restaurant „Bom Gosto“ in der „Fußgängerzone“, wieder <por kilo>, was hier wirklich der beste Deal ist, man sieht, was es gibt und kann sich alles aussuchen, inkl. der Menge.

Ab Amargosa eine wunderschöne grüne Landschaft, hügelig und bewaldet, schön wie im Schwarzwald, Bananen, Maniok, Vieh. 15.00 h Santo Antonio de Jesus, Trevo: nach Valença 30 km, Costa do Dendê. Von dort aus kann man mit dem Boot nach Morro de São Paulo fahren, muss das Auto in Valença stehen lassen, keine gute Idee…Weiter. Ist eine große Stadt, und SCHWARZ. Man sieht kaum hellhäutige Leute, wie überhaupt in Bahia, es ist hier noch schwärzer als in Minas. Aber wie überall in Brasilien freundlich und fröhlich.

Die Strände hier sind gerühmt. Von Morro de São Paulo nach Süden. Wir fahren weiter Richtung Itacaré, das uns von Detlef empfohlen wurde: Jacaré, Jordão, Taparoé, Nilo Peçanha, Cairu, Ituberá, Igrapiúna, Dinaré, Camamu. Hinweise auf “Comunidades Quilombo”, im Vorbeifahren eine Terrero, wo gerade eine Voodoo / Candomblé / Macumba – Geschichte stattfindet, die Trommeln dröhnen. Mein Mann fährt weiter. Ohne Kommentar!

Inzwischen ist es stockfinster. Vor uns am Berg eine Pousada „Verde Mar“, mein Mann fährt weiter. Er hat beschlossen, dass wir jetzt durch die rabenschwarze Nacht weiterfahren bis Itacaré.  Gott sei Dank sind die Strassen hier nagelneu und asphaltiert, sonst hätte es einen gemeinsamen Mord gegeben.

Natürlich steppt in Itacaré der Bär, ein völlig chaotisches Rummeldorf ohne erkennbare Straßen, alles nur tief ausgefahrene rote Lateritpiste. Es bleibt nur, sich irgendwo eine Bleibe zu suchen und bei Licht mal genauer zu schauen, wo wir sind!!! Hätten wir auch früher haben können!

Abendessen im Dorf, „O Restaurante“,  zwei witzige Kellnerinnen mit Schlappmaul und einige kleine moços, die uns eine Rose verkaufen wollen, erst denke ich, sie ist aus Plastik, dann stelle ich fest, dass sie sie aus langen Palmwedeln machen, mit einer imponierenden Kunstfertigkeit. Und süß sind die Bengel auch. Für Ute machen sie noch einen Kolibri! Dann kommt das Essen, Moqueca de Peixe und Fisch auf der chapa mit gebratenen Bananen. Beides sehr gut.

Itacaré ist im 18.Jh. als Jesuitensiedlung entstanden und heute eher eine Touristen- und Hippiehochburg. Die Strände werden zwar gelobt, können wir aber nicht bestätigen, voll mit Plastikstühlen wie italienische bagnos, total überlaufen und ziemlich schmutzig. War allerdings nach einem langen Ferienwochenende….15. November: Proclamação da Republica! Viele Bars, Kaschemmen, laute Musik, bagunça, nichts für ruhebedürftige alte Leute. Da haben wir noch Glück mit der einfachen aber sauberen „Pousada do Bambú“ für 100 Rs. pro Nacht und casal!

16.11.10

Ordentliches Frühstück im Freien unter einem Strohdach im Garten der Pousada, der junge Mann von der Rezeption füttert die Vögel mit Bananen und wen sehe ich? Den „Weckervogel“ aus Ouro Preto. Auf Nachfrage heißt es, es ist der „Sete Cores“ und der vorher stumme moço blüht richtig auf, als er mir erklärt, was für Vögel dort fressen kommen. Ein „sabiá“ ist da, groß mit gelbem Bauch, und Bubi erzählt vom „Sangue de boi“, der groß und feuerrot sei. Wir sehen ihn später auch in der nächsten Pousada!

Koffer packen und los. Noch einmal durch die Stadt, um einen Eindruck mitzunehmen, es bestätigt sich der von einer leicht chaotischen Rummelstadt für junge Leute. Aber eine Stadt mit Atmosphäre ist es schon!!! Und wieder sooo SCHWARZ, es fällt uns halt extrem auf, weil wir aus dem weißen Süden kommen!

Wir fahren zurück auf einen Hinweis aus dem Führer hin, erst Richtung Maraú und dann wieder auf die Erdstrasse in Richtung Barra Grande. Da klappern wir dann die Strände und Pousadas ab und landen schließlich in unserem „Encanto da Lua“ an der Praia Taipú de Fora, wunderschön gelegen direkt am Meer, sehr geschmackvoll dekoriert, wenn auch nicht so erlesen wie in Lençois. Besitzer ein Ehepaar jüngeren Datums, er japanisch angehaucht. Suiten für 275 Rs. pro Nacht, sehr groß und mit Halbpension, bei DER Strasse würde ich auch abends nirgendwo mehr hin wollen.  Auspacken und an den Strand, gleich weiter ein Spaziergang zum nächsten Restaurantbudchen am Meer. Dort ein paar köstliche frittierte Agulhas mit ein bisschen Salat und Zwiebeln, frische Kartoffelchips und ordentlich Caipirinha. Was ein Leben! Sonne, Strand, Palmen, Meer, Caipi, ordentliche Atzung und eine schöne Bleibe. Wir quartieren uns vorsichtshalber mal für drei Tage ein!

Abends Abendessen in der Pousada, auch japanisch angehaucht. Abobrinha (Zucche) und rote Beete wie ein Carpaccio dekoriert, leicht säuerlich, Fisch und Fleisch, sauer eingelegte scharfe Schoten, aber brasilianisch dazu Reis und Bohnen. Lecker. Anscheinend haben ihn die Feriadão-Gäste aber leergetrunken was das Bier angeht, es sind noch drei Dosen Bier im Haus bzw. im Kühlschrank. Wir gönnen sie unserem lieben  Peter – Werner trinkt dafür die vierte Caipirinha………

Nachts eine Schlacht mit den Mückenviechern, wovon es reichlich gibt, weil die Zimmer alle gut durchlüftet und Fenster und Türen nicht dicht sind. Irgendwann gebe ich auf und schlafe ein, während Werner die Nacht durch kämpft!

17. und 18.11.10

Morgens gutes Frühstück mit Früchten und vor allem köstliche Cajú und Mango aus dem Hotelgarten!

Danach Fahrt auf der grässlichen Buckelpiste bis Barra Grande – 7,5 km – zuvörderst um Mückentod zu kaufen und um mal das Kaff anzusehen! Ist ein ziemlich kleines Örtchen mit Charme. Bis vor gut 10 Jahren gab es weder Strom noch Telefon noch Wasserleitung, heute eine Pousada an der anderen, aber schon bescheidenere Qualität. Es wird gebaut wie verrückt. Wenn ich mein Geld in Brasilien anlegen wollte, HIER wäre der Ort, um Land zu kaufen!!! Vom Strand und einer Mole aus gehen kleine Fähren zum Festland und anscheinend sind die auch für die Schulkinder da! Am Strand ein paar kleine Restaurants und Bars und sogar ein großes Massagezentrum! Der Hit ist allerdings das „Restaurant Berlin, comida alemã e baiana“ in einer Nebenstrasse, mit Reklamepostern aus Deutschland und Königspilsner Werbung! Und irgend so was Germanisches sitzt auch am Strand, ein weißblonder Bursche, der sicher kein Baiano ist!

Zurück ins Hotel und sofort an den Strand…..Meeresbrise, Kokoswasser, vida boa! Abends Abendessen im Hotel, wieder interessante Mischung: japanisch-baianisch!

Nächster Tag relaxing, Mittagessen immer in der Bar do Francês am Strand in 300 m Entfernung. Netter Kellner, der am 2. Tag schon weiß, wer welche Caipirinha bevorzugt. Gebratene Fischchen, Chips, Isca de Peixe.

19.11.2010

Abreise 9:35 h von einem wunderschönen Fleckchen Erde. Estrada de Terra bis zur Abzweigung, ca. 50 km, aufatmen, dass wir das Gerumpel endgültig hinter uns haben und dann die Ernüchterung, wir müssen noch mal über die Buckelpiste bis Ubaituba (11:45 h), um keinen Riesenumweg zu fahren. Grosses Gammelkaff, meu Deus was ein Dreck, aber ab dort Asphalt, BR 101. Kein Wunder, dass da selbst eine regionale Buslinie „Bicho do Mato“ heisst!

Richtung Itabuna, Kakao und Jaca, Riesenbambus, Palmen, Bananen, alles wächst hier. Die Überholmanöver der LKWs sind filmreif! Über Uruçuca um 12.30 h in Itabuna, noch 290 km bis Porto Seguro, unserem nächsten Ziel. Beim Tanken werden wir jedes Mal mit anderen Worten begrüßt, diesmal „bom dia patrão“, daneben sind companheiro, chefe, amigo und compadre im Angebot!

Irgendwo wieder Essen an der Busstation der Überlandbusse, dort sind immer saubere Toiletten und sogar Duschen (umsonst!) und das Essen, buffet por kilo,  ist meistens gut!

Die Landschaft ist mal grün mal karg, die Kaffs meistens armselig! Ab São João do Paraíso wieder endlose Eukalyptuswälder, alles andere abgeholzt und verheizt, ein trauriger Anblick! Deutlich sichtbare Erosion. Irgendwann nach drei Uhr über den Jequitinhonha, ein Riesenfluss, dann nach Eunápolis und dort Abzweig nach Porto Seguro! Ankunft gegen sechs, ins Hotel Best Western, Koffer reingeworfen und los in die „cidade historica“, es wird dämmrig aber für die Fotos reicht es noch. Ein dämlicher Fremdenführer hatte noch versucht, uns seine Dienste aufzuschwatzen, Gott sei Dank haben wir es nicht angenommen, denn viel gibt es gar nicht zu sehen. Das Museum im ehemaligen Gefängnis ist zu, es gibt noch ein paar alte Sträßchen, einen alte Kirche, einen Leuchtturm und eine Tafel mit dem Logbucheintrag von Cabral, der als Erster 1506 hier seinen Fuß auf brasilianischen Boden gesetzt hat, ist ganz romantisch …. ein Blick über die seitlich liegende neue Stadt, dann zurück.

Abends ins Gewimmel, es ist Samstag und schwer Betrieb auf der „Rambla“, eine Bude an der anderen, Garküchen und Krempel, Souvenirs, leider alles Kitsch, dann zum Restaurant „Portinho“ und gutes Essen wieder per Buffet, Caipi sowieso!

20.11.2010

Früh los um 8:30 h, ein langer Tag liegt vor uns, am Airport vorbei, ich war erstaunt, dass sie überhaupt einen haben, aber dort landen große Jets und die GOL-Leute wohnten mit uns im Hotel!

Zurück auf die BR 101, Richtung Guaraparí / Espirito Santo, es ist die Costa do Descobrimento, Landschaft: viel rot, wenig grün, armselige Weiden. Dann Kaffeeplantagen, Mamão – Plantagen, noch nie vorher gesehen, niedrige Stämme, um leichter ernten zu können, Bananen, Eukalyptuswälder. Montinho. Serra in Sicht. Itamaraju 10:45 h…aus den Bergen raus, Ebene mit Viehweiden = riesige Fazendas also! Alle Seitenstreifen sind bepflanzt und mit elenden Hütten bebaut, heißt also, dass die Rindviecher auf riesigen fetten Weideflächen leben und die armen Leute mit dem Randstreifen an der Strasse vorlieb nehmen müssen. Tja, Lula, Landreform nicht durchgesetzt!!! Traurig!

Ein paar Zentren: Teixeira de Freitas, Vitoria noch 369 km! Alcobaça 60 km, viele portugiesische Stadtnamen, sicher von den Imigranten. An der Polizeistation ein Schild: „proibido carona“ (keine Anhalter), gleich daneben ein ganzer Pulk Leute mit dem erhobenen Daumen. Theorie und Praxis!

Itabatú 12.15 h, eine Viertelstunde später überfahren wir die Grenze nach Espirito Santo. Foto. Endlich wieder normale Uhrzeit wie zu Hause.

Kurz vor São Mateus spätes Mittagessen, weiter. 16.00 h Linhares, alles große Zentren, dazwischen tote Hose. An der Tankstelle steht schon der erste aufgeblasene übergroße Plastikweihnachtsmann!

Immer wieder die Serra im Hintergrund als Silhouette, wunderschön. Gepflegtere Gegend, bessere Häuser, aber LKWs en masse und unglaubliche Überholmanöver aller Motorisierten! Werbung für Agriturismo:  Circuito Muribeca, Circuito Pitanga.

17:45 h in Vitória, grausliche Industriestadt. Murkserei durch die unübersichtliche Verkehrsführung, einmal verfahren und endlich auf die Strasse nach Guaraparí : Rodovia do Sol, mit Pedagio! Sonnenuntergang hinter der Serra! Ankunft bei Dämmerung im Hotel „Porto do Sol“ in Guaraparí, welches Ähnlichkeit hat mit Balneário, aber nicht so gepflegt ist. Ziemlicher Bauboom und Chaos!

Das Hotel ist hübsch, das Zimmer bietet einen wunderschönen Blick auf die Skyline, leider gerade ein Kongress der „Igreja Batista Betel da Barcelona“, was immer das für ein Verein ist. Also müssen wir für die eine Nacht „Apartamentos de Luxo“ nehmen, keiner hat Lust, weiter zu suchen…

Abends Essen in der „Av. Brasil“ wenn verglichen mit Balneário. Im Restaurant „Balnearium“ – Essen gut, Caipi = die schlechteste in meinem Leben, 1.fraco de mais, 2. mit SALZrand, sind die doof? Ist das vielleicht eine Marguerita?

21.11.2010

Morgens gegen 9:30 h auf die Piste, heute <easy going>. Fahrt durch „Alpenvorland mit Bananen“, die Plantagen ziehen sich die Berge hoch. Serra mit bizarren Pinnuckeln. Toll. „Rota das Vales e do Café”.  11:30 h sind wir im Estado de Rio de Janeiro. Schon werden wir wieder abgezockt mit Maut.

Campos das Goitazes. Richtung Rio. Regen. Blick auf riesige Kette der Serra. Herr Doktor versucht mit riskanten Überholmanövern vergeblich, uns durch einen Verkehrsunfall ums Leben zu bringen. Tanken, Lanche, Casimiro de Abreu, Tanguá, Itaboraí, Abzweigung nach Magé, in der Hoffnung, abzukürzen, statt um die Baia de Guanabara herum zu fahren. Wir enden auf einer grauenvollen Erdstrasse mit vielen Löchern aber auch vielen interessanten Einblicken in brasilianisches Dorfleben, schließlich aber sogar in Magé! Dort zurück in die Zivilisation.

Und erleben die Reste eines Gewitters mit. Die Gewalt des Gewitters wird uns aber erst klar, als wir auf der Straße nach Petropolis im Stau stehen. Es hat diverse dicke Bäume umgehauen auf die Straße, es muss ein ziemlich schlimmes Unwetter gewesen sein, und wenn wir früher dort gewesen wären hätten wir vielleicht einige davon auf den Kopf bekommen. Es dauert ein bisschen, bis die Strassen frei geräumt sind. Am Rand dicke Jaca-Bäume voll mit den riesigen plumpen kiloschweren Früchten.

Hoch in die Berge geht es, bis in die Reste der Gewitterwolken. So kurvenreich hätte ich mir das gar nicht vorgestellt. Wie eine Fahrt durch die Alpen. Endlich Ankunft in Petropolis, „Pousada 14bis“, genannt nach einem der Flugzeuge von Santos Dumont. Altes hübsches Kolonialhaus (AC, ruhige Lage und piscina, günstig gegen die horrenden Preise in dieser Stadt) mit Vitrinen voller Erinnerungen an den brasilianischen Flieger. Abends essen im „Bretz“, gegenüber, eine grosse „Picanha mal passado“. Und wieder eine trinkbare Caipirinha.

22.11.2010

Locker: 8.30 h Frühstück und irgendwann gemächlich los in die Stadt. Erst mit dem Auto zum Quitandinha – Palast, dann zum Palacio de Cristal (eigentlich geschlossen aber dank einer älteren Dame schnell zu besichtigen) und in die Rua Koeller, wo die tollsten alten Häuser stehen! Zum Modell des „14bis“ und dem Haus von Santos Dumont. Zurück zum Hotel, wir lassen das Auto zum Waschen dort und laufen zurück in die Stadt. Suche nach einem Fotoladen, der mir ein biometrisches Foto machen muss, weil ich morgen in Rio einen neuen deutschen Pass beantragen muss. So ein Scheißaufwand. Und dann sooo ein HÄSSLICHES Konterfei, mit strubbeligen Haaren weil ich im Hotel keine Haare waschen konnte unter dem piepsigen Chuveiro und 110 Volt mit meinem 220 Volt – Fön. Hass…

Mittagessen bei „D’Angelo“, gutes und günstiges typisch brasilianisches Gericht, Contrefilé mit Reis, Fritas und Farofa, plus Chopp. Dann langsam in Richtung <Heimat> und an den Computer.

Abends wieder in die Stadt, weil unser Nachbarrestaurant zu hat. Mist. Zum von Peters Führer empfohlenen Restaurant, sooo eine Pleite, wo hat man schon mal erlebt, dass man zum Beispiel Nudeln trocken bestellt und dazu die Sauce extra bestellen und bezahlen muss. Eine Neppbude ersten Ranges, und Picanha ist auch aus. DAS ist eine gute Gelegenheit um zu flüchten, und wir gehen wieder zum Angelo, wo „unser“ Kellner immer noch arbeitet und wir Mädels gut beraten sind mit Rodizio de Massas und Werner sich mit Peter einen Bacalhau Gomes de Sá teilen kann. Gegen 23:15 h zu Hause und soooo müde.

23.11.2010

Abflug um 8.00 h geplant nach Rio zum Generalkonsulat. 9:30 h in Rio, vorbei am Hafen und an einer stinkenden Kloake mit Müll, Geiern und Fregattvögeln. Und prompt geraten wir in den Stau, in eine Dunstglocke noch dazu. Durch den Slum „Complexo do Alemão“, Polizei überall mit MP im Anschlag, in Rio ist mal wieder die Hölle los, weil die Polizei versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen, mit Panzern und schußsicheren Westen sind sie unterwegs. Bei mehr als 1000 Favelas eine echte Herausforderung. Die Gangster, sprich Drogenbosse, machen Randale und verbrennen Busse und Autos auf den Strassen, man hat sie eben viel zu lange gewähren lassen, jetzt sind sie mindestens so gut aufgerüstet wie die Polizei! Und für 900 Reais im Monat würde ich als Polizist auch keinen großen Ehrgeiz entwickeln.

Um 12.00 h erst im Konsulat – und natürlich ein Reinfall, plötzlich wollen sie, obwohl mein Pass doch gültig ist, eine Heiratsurkunde und eine Geburtsurkunde von mir, die sind doch völlig bescheuert, diese Sesselfurzer. Und annehmen wollen sie den Antrag auch nicht, ich könnte ihnen ja den fehlenden Kram dann schicken, aber nein, St. Bürokratius hat das nicht vorgesehen. Ich müsste dann eben nach Porto Alegre fliegen und dort beantragen. Sind die doof, was glauben die, wer das alles bezahlt. Ich gehe mit einer Stinkwut und der lauten Bemerkung SAUHAUFEN.

Weiter im dicken Stau Richtung Paraty. Auf der Gegenspur Polizeikolonnen, auf unserer Militär. Wir sind froh, als wir aus dem Moloch entkommen sind. In der Nähe von Angra dos Reis Blick auf den Atomreaktor am Meer und schnelles Mittagessen auf der „Terrasse“ eines einfachen Restaurants, prato feito mit Arroz und Feijão, sehr ordentlich. Die Spatzen essen an den Nachbartischen mit.

Auf der BR 101 eine barreira nach der anderen, überall ist der Berg auf die Strasse gerutscht und verursacht stockenden Verkehr. Gamboa…Frade um 15:20 h, um 16:30 h laufen wir in Parati ein.

Finden ein wunderschönes Hotel, „Pousada da Marquesa“, sehr hübsch in einem alten Kolonialhaus mit Innengarten und pool und alten Möbeln und vielen anderen Antiquitäten. Mit Ute ziehe ich noch mal los durch die Geschäfte und mache noch ein paar Fotos, bevor es dunkel wird.

Abends essen in der Nachbarschaft, eine gute „caldeirada de frutos do mar“, allerdings nicht so gut wie im <Sabores do Mar> in BC. Aber die Caipi schmeckt wie immer….

24.11.

Gut geschlafen, kühl und ohne Mücken auf einer guten Matratze, Haare waschen allerdings wieder mit 110 v. Also dass es das IMMER NOCH gibt in Brasilien, furchtbar. Mein Fön säuselt dann nur…

Frühstück edel, gemütlich, im Garten ein großer Jambú, mit riesigen kitschig rosa Blüten, wunderschön, habe so was noch nie gesehen, ist eine Guavenart. Siehe Fotos. Dann Aufbruch in aller Ruhe.

Gegen 10.00 h im Estado de São Paulo. Sonne macht sich rar. Dichte Mata Atlantica, gegen Mittag in der Großstadt Ubatuba, Caraguatatuba, Massaguaçú….was für Städtenamen! Mittags vorbei an der Ilha Bela, wo vor der Küste dicke Kreuzfahrer liegen. 1502 ist hier Amerigo Vespucci angelandet, nach dem der ganze Kontinent benannt wurde. Toque Toque, wunderschöne coastline, bergig, Buchten, Inselchen, Serra do Mar, Fischerdörfer wie <Boiçucanga>, Mittagessen in einem Lokal „Mar Azul“ an der Straße, nicht berauschend.

In Santos Stau, auch eine riesige Stadt und hässlich,  = São Paulos Hafen, wir bleiben auf der Küstenstraße statt auf der Autobahn nach São Paulo rein zu fahren und müssen in Guarujá mit der balsa (Fähre)  über die Hafeneinfahrt, 6.20 Rs. Kampf um die Spuren, nicht so geordnet wie in Itajaí!

Dann entlang der Praia Grande, die ich nur von oben aus dem FLUGZEUG kenne, kilometerlang, hier biegt der Flieger aus dem Süden immer vom Meer ins Inland Richtung São Paulo ab. Endlose Balneários der Paulistas – aber nicht so gepflegt wie bei uns!

Gegen 17:00 h in Peruíbe, Badeort, aber bescheiden. Einfahrt durch die Vororte, wie Favelas, dann Zentrum und Praia, Hotel „Victoria Regia“, kein Luxus aber ordentlich und sauber…für die eine Nacht, gibt sowieso nichts anderes. Abendessen in einem denkwürdigen Etablissement, das uns viel Vergnügen bereitet, der Wirt – um die 70, mit Hut und Jeansjacke aber kurzer Hose – lockt uns mit „Picanha“ ins Lokal, die Caipi ist reine Cachaça und ein Kopfschuss ersten Ranges, das Fleisch kommt auf einer gusseisernen Chapa und ist überraschend gut. Im Hotel noch eine Caipi obendrauf und dann sind wir ziemlich abgefüllt…

25.11.

Frühstück mit dickem Kopf, Abfahrt früh um 8.00 h, Werner wie üblich Stalldrang. Ca. 60 km bis zur BR 101, dann zügig Richtung Heimat, ca. 420 km. Viele LKWs, man meint, es ist IHRE Autobahn, Staus trotz drei Spuren, umgestürzte LKWs, die üblichen Überholmanöver auch vom Fahrer unseres Autos…

12:15 h Paraná, Curitiba…umfahren. Mato rechts und links voll mit lila und rot blühenden Bäumen, riesige Baumfarne, blaue Hortensienwälder, Frühling eben.

Gegen 14:30 h im Restaurant „Grünwald“, Mittagessen wie üblich mit Buffet und Mareco recheado (Ente) und Begrüßung durch den alten deutschstämmigen Chef. Ich habe das Gefühl, er hat die Kellner verdonnert, Bescheid zu sagen, wenn Deutsche auftauchen.  Kolibris spärlich wegen des Wetters. Zwei Stunden später in Balneário Camboriú…..



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