Eingewöhnung…………….

Heute morgen war ich um 6.00 h wach, weiß nicht, warum, vielleicht war Vollmond? Naja, solange ich nicht auf dem Terrassengeländer balancierend aufwache…!

Morgen

 

 Das war meine Aussicht um diese Uhrzeit, der Sonnenaufgang, die Wellen, die kleine Insel, „Ilha das cabras“ heisst sie, Ziegeninsel! Das Meer sieht zu jeder Tageszeit anders aus, aber immer faszinierend schön.

 Ich werde langsam zu einer in Brasilien real existierenden Ausländerin, heute war die Beantragung und der Erhalt einer Steuernummer und die Registrierung bei der Polizei angesagt. Für alle Fälle kam Sandro, der „Motorista“ der Firma mit, er fuhr mich in meinem Auto nach Itajaí, in die an Camboriu nördlich angrenzende Stadt zur „Delegacia da Policia Federal“, wo ich zwei Passfotos 3 x 4 cm, 10 Fingerabdrücke und mein Visum, den Visumsantrag an das brasilianische Konsulat, mein beglaubigtes polizeiliches Führungszeugnis und die Kopien aller benutzten Seiten meines Passes, eine Quittung bezahlter Gebühren und ein ausgefülltes Formular lassen musste. Rede mir keiner mehr von Bürokratie in Deutschland!

Danach zur „Receita Federal“, zum Finanzamt, zwecks Beantragung einer CPF – Steuernummer, ohne die ist man hier nicht existent oder lebensberechtigt. Ich frage mich, wie das Leute ohne Sprachkenntnisse hinkriegen? Aber wiederum ist DAS Brasilien: es hieß ursprünglich, dass ich nur von 13.30 bis 18.00 h bei der Receita erscheinen könne, Mumpitz, man winkte mich freundlich durch zu der entsprechenden Lady, die mir dann erzählte, dass es noch 14 andere Johannas gäbe in ihrem Computer, und sogar einige Johanna Katharinas, aber beim dritten Vornamen war ich dann einzigartig! Vor diesem Besuch bei den Blutsaugern (gelle, Petra!!!?) musste ich zur Post und eine Nummer beantragen, die wurde mir dann heute ausgehändigt, innerhalb von 14 Tagen kommt jetzt per Post, so Gott will = se Deus quiser, die Karte in Form einer Scheckkarte. Diese Nummer braucht man für alles, u.a. für den Kauf einer Telefonnummer fürs Handy, ich habe allerdings Werners Nummer dafür geschnorrt. In diesem Zusammenhang noch ein überaus einfallsreiches Wort, mit dem hier die SMS bezeichnet werden: „torpedo“! Echt witzig, oder?

 cpf

 

Nun muss noch mein Führerschein übersetzt werden, dann kann ich damit zum Sehtest gehen und zur Führerscheinprüfung, die allerdings sehr individuell ausfallen kann, unser Freund Andreas in Recife erzählte von einer kleinen Spende, die dieses Prozedere erheblich abkürzte. Wir werden es erleben! Mal gespannt, ob ich auch – wie 1974 – den Satz: „ich erkläre, dass ich lesen und schreiben kann“ vor den Augen des Beamten abliefern muss?

Autofahren ist allerdings hier ein Nervenkitzel, also schreckhaft und reaktionsarm darf man hier nicht sein! Motto: Jeder fährt wie er will, und der Hintermann richtet sich immer nach dem Vordermann! Ampeln bitte nur beachten, wenn auch Verkehr ist. Die Brasilianer lachen sich tot über Deutsche, die nachts an einer roten Ampel halten, obwohl weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist! Wegen der vielen Staus und der vielen Restaurants, die Essen liefern, gibt es viele Motorradfahrer, die fahren dann mit einem Affenzahn  in der Mitte Schlangenlinien zwischen den Autos durch. DAS schafft mich!

 

BONDINDINHO

Soviel zur heutigen Bürokratie- und anderen Erlebnissen. Nachmittags machte ich der Post noch einen Besuch, und zwar per „Bondindinho“ („Wägelchen“), das ist ein Bus, der unentwegt Tag und Nacht langsam im Kreis durch die Stadt fährt und auf einen Wink anhält, die ganze Avenida Atlantica hinauf und dann die Avenida Brasil, die Parallelstrasse, zurück. Eine Runde kostet 2,50 Real bzw. Reais, das ist nicht mal ein Euro. Im Bus kann man dann an einer Strippe ziehen und an jeder beliebigen Stelle wieder aussteigen. Wieso geht so was nicht in Limburg? Ich find’s jedenfalls toll!

Bei der Post musste ich dann wieder eine Marke ziehen und warten, bis die Nummer angezeigt wird. Aber….vornehm, auf der „senha“ wird gleich noch die voraussichtliche Wartezeit angezeigt, bei mir 14:28 Minuten. Ging aber schneller, weil mir einer seine Nummer schenkte! Überhaupt sind alle sooo nett hier, jeder fragt, woher ich komme, lobt mein (Pidgin-)Portugiesisch, das deutsche Bier, Oktoberfest, „Schumaker“, deutsche Pünktlichkeit und Genauigkeit, Mercedes und BMW, na ja, was man eben so für deutsch hält hier.

Und die Sauberkeit: selbstverständlich räumt jeder die Hundehaufen von seinem Fiffi weg, alle Hundebesitzer oder –ausführer haben eine Plastiktüte dabei. Hunde dürfen nicht an den Strand! Mülleimer überall. Man erkennt den Grad der Sauberkeit einfach an der Anzahl der anwesenden Urubús, der Rabengeier …… wenn ich da an den Markt am Hafen in Belém am Amazonas denke, Heerscharen! Hier: nichts, nur im Hafen von Itajaí habe ich sie heute sitzen sehen.

 

urubu

Heute war hier im Gebäude die Dedetização im Gange, also es wurde wieder mal Gift versprüht, um irgendwelches Getier zu morden, wahrscheinlich die „niedlichen“ Kakerlaken, die manchmal in Batallionsstärke unterwegs sind. Erinnert mich an diesbezügliche Aktionen in unserem Haus in Brasilia, wo dann zu meinem Entsetzen einige dieser Urzeitviecher aus ihren Verstecken kamen und die „Hufe hoch gerissen“ haben, ekelhaft war das, ich hätte damals schwören können, dass wir keine hatten, aber sie sind überall, wenn auch nicht sichtbar! Und in Deutschland gibt es sie auch, Christian hat mal in einem großen Supermarkt gearbeitet, da waren sie zahlreich im Lager vertreten! Und wenn ich an den denke, den mein lieber Mann mal während eines früheren Brasilienaufenthaltes im Schuh hatte und den er unbemerkt den ganzen Tag über durch die Gegend getragen hat und der abends im Hotel zermatscht zum Vorschein kam…..brrrrrrr

 

barata

 Zurück in die Gegenwart:

Jeden Morgen wird hier der Strand geputzt, die Prefeitura (Rathaus) beschäftigt damit einen Haufen Leute, die in gelben Overalls (Aufschrift: Camboriú, quem gosta, cuida! …wer es liebt, pflegt es!)  Algen und Tang zusammenrechen. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme! Der Strand wird aber auch stark frequentiert, jeden Morgen reihe ich mich ein in die Walker, Fitness ist hier alles, und bitte mit dem entsprechenden fancy outfit! Adidas oder Nike. Logo.

Marken sind angesagt. Wenn man sie nicht bezahlen kann, geht man zum Camelódromo, dort verkaufen die „Camelots“ Fälschungen aus aller Herren Länder, Adidas, Puma, Nike, Reebok, Taschen von Gucci, Louis Vuitton, Prada, gefälschte Parfums, elektronische Sachen, you name it, Kopien aller neuen Filme auf DVD, MusikCDs aller Art…….niemand zuckt auch nur deswegen. Die Polizei macht mal so Alibirazzien, aber nichts Ernsthaftes!

Das waren so ein paar Auffälligkeiten…….demnächst mehr in diesem Theater!

 

PS: Ein kleiner Nachtrag am 25.6.09:

heute ist für die Brasilianer WINTER, 18 °C, da war ich mutterseelenallein am Strand!!!!! Was würden die in Sylt machen?

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