Auf brasilianischem Boden…….

 Also – wo waren wir … richtig, ich bin gut in Brasilien angekommen, wie die ersten beiden Blog-Einträge bezeugen.

Cam 

Nun habe ich auch den Jetlag überstanden, einige Nächte lang war ich morgens um 3:00 Uhr hellwach, aber nun habe ich mich umgestellt. Man ist eben nicht mehr taufrisch, und der Weg nach Westen war für mich schon immer schwieriger als zurück gen Osten!

 Nach der Ankunft, auf dem Weg vom Flughafen in Florianopolis nach Hause,  haben wir erst mal anderthalb Stunden im Stau gestanden, alle müssen eben runter von der Insel, auf der der Airport liegt, über das Nadelöhr Brücke auf’s Festland, aber, so unglaublich es scheint, keiner hat sich beschwert, kein Hupkonzert, nichts. Sie haben dann plötzlich eine bewundernswerte Geduld, zumal das laut Hinweisschild auch jeden Freitag zum Feierabend stattfindet…ich würde wahnsinnig!

 Gegen 22.00 Uhr (3:00 Uhr MEZ Donnerstag) waren wir dann in Camboriú, damit war ich seit knapp zwei Tagen auf Achse. Ohnmächtig bin ich ins Bett gefallen, natürlich war ich mitten in der Nacht wieder wach, fünf Stunden Zeitunterschied steckt man doch nicht so leicht weg, aber es war auszuhalten. Donnerstag ist Feiertag, Fronleichnam, hoher Feiertag in Brasilien und Auftakt zu einem langen Wochenende, das heißt, alle Brasilianer machen sich per Auto auf den Weg … irgendwohin! Wie die Kölner!

 Wir sind froh, unsere Ruhe zu haben, und ich erkunde meine neue Umgebung, erst mal die Wohnung: im dritten Stock über den fünf Garagenstockwerken, das ist angenehm, wenn eventuell mal der Fahrstuhl ausfällt. Die Garagenauffahrt ist ein Drahtseilakt, ganz steil und absolut gewöhnungsbedürftig. Im ganzen hat das „Edifício Marquês de Olinda“ 24 oder 25 Etagen, aber so hoch oben, das wäre nichts für mich! Es liegt sehr schön direkt am Meer an der Avenida Atlantica, die bevorzugte Adresse in Camboriú. Unser Apartment gehört Argentiniern und ist deswegen nicht ganzjährig zu mieten, sondern für die off-season, also bis November, dann kommen die Besitzer zum Strandurlaub. In der Zwischenzeit verdient das Apartment das Urlaubsgeld! Superinvestition! Allerdings haben die wohl sehr geringe Ansprüche in Bezug auf „Schöner Wohnen“, es ist alles da und man könnte was Tolles draus machen, aber sehr lieblos eingerichtet ist die ganze Wohnung, willkürlich verteilte Bilder, hässliche Lampen, es ist ja nur noch für 2 Wochen.

 Für uns heißt das, wir suchen etwas für’s ganze Jahr, ist zwar etwas schwieriger, aber nicht unerreichbar. Donnerstag und Freitag besichtigen wir also Wohnungen: Die erste ist gleich ein absoluter Traum in Weiss, alles supergeschmackvoll und edel, weiße Ledersitzmöbel, weiße Laminatböden, weisse Einbauschränke, Glas und Chrom, aber natürlich gibt es einen Haken, sie hat nämlich keine Terrasse und liegt etwas zurück von der Atlantica. Porca miseria! Das wäre sie gewesen, aber ich will nicht nur drei Wellenkämme sehen sondern ich will ALLES!!!!!!!!

Die nächste ist von der Aufteilung und vom Platz ideal, ist aber leicht siffig, der Makler meint, dass da vorher noch mal das Putzgeschwader durchturnen wird. Sie muss einem totalen Kunstfreak gehören, kein cm an der Wand ohne Bild, zum Teil sehr schöne Sachen. Ich denke, wenn nichts außergewöhnlich besseres kommt ist sie das! Große Küche, drei Schlafzimmer, zwei oder drei (?) Bäder, Empregadazimmer wird zur Aufnahme der wenigen scheußlichen Kunstwerke und unserer sechs leeren „Schrank“koffer dienen. Erträgliche Möbel,  große Terrasse und voller Blick auf’s Meer, Schwimmbad, Partyraum und Fitnessraum über den Garagen. Die Preise sind hier in Camboriú gesalzen, es ist wie mit der Geschichte von den acht Kindern in einem Bett, die alle an der Wand schlafen wollen, jeder will hier am Meer wohnen und so kosten die Apartments locker auch mal 8000 Reais im Monat, ca. 3000 Euro. Soviel zum Thema armes Entwicklungsland…  Muss das sein? Der Mindestlohn liegt übrigens bei 465 Real, ca. 170 Euro.

 Das nächste Domizil ist auch sehr gepflegt und hübsch eingerichtet, aber es hat nur zwei Schlafzimmer, wovon eines ein Kinderzimmer mit Stockbetten ist. Außerdem liegt die Piscina unten an der Straße, sozusagen auf dem Präsentierteller,  und daneben ist ein Restaurant, von dem ständig  Essensgerüche ausgehen und in Richtung Pool wabern! Out!

Dann eines für das <Guiness Book of World Records> in der Kategorie: hässlichste Einrichtung, alles in Eiche rustikal (ich dachte immer, das ist dem Gelsenkirchener Barock vorbehalten) und Granit und überall an der Decke Gipsprofile und einfach grauenvoll! Ich hätte einen Albtraum nach dem anderen! Out!

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Auf diese Art und Weise beschäftigen wir uns die nächsten Tage, daneben gehen wir lecker Churrasco essen, „Rodizio“, also alle denkbaren Sorten Fleisch bis zum Abwinken, und als Alibi gibt es eine riesige Salatbar. Wir fahren auch mal an die südlicheren Strände und essen köstlichen gegrillten Fisch und am Samstagmittag pilgern wir selbstverständlich zur „Feijoada completa“ hier an der Atlantica. Das ist sozusagen ein Nationalgericht: schwarzer Bohneneintopf, in dem geräucherte Köstlichkeiten mitgekocht werden, original also Schweineohren und -füße, Speck und Würste. Heute aber auch mit edleren Zutaten! Dazu gibt es Reis, Orangenscheiben, Maniokmehl  und gedünsteten Kohl, ach wie gut! Danach muss man eigentlich in die Hängematte….

mamao

Das Beste hier ist immer noch das Angebot an Obst, welch ein Paradies: meine Lieblingsfrucht Mamão, also melonengroße Papayas, süße Ananas, nicht dies unreife saure Zeug, das wir in Deutschland kriegen, Kaki, alle Arten Melonen, Goiaba (Guaven), riesige Avocados, Mangos, HIER kann man gesund leben! Werden wir auch!!! Eigentlich wissen die Brasilianer gar nicht, wie gut sie es haben….na ja, nicht alle natürlich, das weiß ich und es lässt sich auch nicht übersehen. Am Strand habe ich heute Fischer gesehen, die von Holzbooten aus, fast wie in Portugal, Netze auswerfen und gegen Abend einholen. Das sind schon Gegensätze….

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